Zwei eng vernetzte Systeme: die Rolle von Herz-Kreislauf- und Lungensystem bei COPD
Das Herz-Kreislauf-System und das Lungensystem sind eng miteinander verflochten und voneinander abhängig. Sie werden daher auch als kardiopulmonales System bezeichnet. Für Menschen mit COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) ist das kardiopulmonale System von besonderer Bedeutung. Dieser Blogbeitrag umfasst relevante Informationen zum kardiopulmonalen System und zeigt, wie COPD-bedingte Probleme kardiovaskuläre Beschwerden verstärken können – und umgekehrt.

Dass Herz und Lunge im Brustkorb so nah beieinander liegen, hat einen guten Grund: Trotz unterschiedlicher Funktionen arbeiten das Kreislauf- und das Atmungssystem eng zusammen.
So arbeiten Herz und Lunge zusammen #
Der Prozess beginnt mit dem Einatmen sauerstoffhaltiger Luft. Der Sauerstoff strömt durch die Nase in die Luftröhre und von dort in die Bronchien in der Lunge. An den Enden der Bronchien befinden sich winzige Bläschen, die Alveolen.
In einer gesunden Lunge gibt es durchschnittlich 480 Millionen Alveolen. Diese entfalten sich bei jedem Atemzug und Sauerstoff diffundiert in die Pulmonalvene, die das Blut zur linken Herzhälfte transportiert.
Gut zu wissen: Die Pulmonalvene ist die einzige Vene im Körper, die sauerstoffreiches Blut transportiert.
Sobald das sauerstoffreiche Blut die linke Herzhälfte erreicht, wird es in die Arterien gepumpt und von dort zu allen Körperzellen weitergeleitet, um deren volle Funktion aufrechtzuerhalten. Das sauerstoffreiche Blut gelangt über winzige Blutgefässe, die Kapillaren, in die Zellen. Gleichzeitig fliesst das sauerstoffarme, mit Kohlendioxid angereicherte Blut, am gegenüberliegenden Ende der Kapillaren in die Venolen.
Die Venolen leiten das Blut in die grösseren Venen, die es schliesslich über die rechte Herzhälfte in den Lungenkreislauf bringen. Über die Lungenarterie kehrt das kohlendioxidhaltige Blut zurück in die Lunge. In den Alveolen diffundiert das Kohlendioxid in die Atemluft und kann beim Ausatmen die Lunge verlassen.
Gut zu wissen: Die Pulmonalarterie ist die einzige Arterie im Körper, die sauerstoffarmes Blut transportiert.
Bei jedem Atemzug und jedem Herzschlag laufen zahlreiche Prozesse ab. Tatsächlich zirkuliert das Blut in nur etwa 20 Sekunden einmal vollständig durch den Körper – das Herz pumpt also pro Minute ca. 4,73 Liter Blut durch den Körper!
Leider können durch die enge Zusammenarbeit dieser beiden Systeme Probleme auftreten, wenn Lunge oder Herz nicht richtig funktionieren.
Zwei Erkrankungen, die häufig korrelieren, sind COPD und Herzinsuffizienz. Ihre Zusammenhänge werden im Folgenden genauer betrachtet.
Wie COPD und Herzinsuffizienz zusammenhängen #
Rechtsseitige Herzinsuffizienz
Zentrales Merkmal der COPD ist eine Überblähung der Lunge, die den Luftstrom einschränkt. Die eingeschränkte Luftzufuhr erhöht den Druck im Herz-Kreislauf-System (pulmonale Hypertonie). Dabei handelt es sich um eine Art von Bluthochdruck, der die Blutgefässe in der Lunge schädigt und den Blutfluss einschränkt. Dadurch muss das Herz stärker pumpen, um das Blut durch die Lunge zu befördern. Im Laufe der Zeit schwächt dies die Herzmuskulatur und führt zu einer rechtsseitigen Herzinsuffizienz.
Linksseitige Herzinsuffizienz
Zwar ist COPD keine direkte Ursache für eine linksseitige Herzinsuffizienz, jedoch können sich die beiden Erkrankungen gegenseitig verstärken. Durch COPD sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, was das Herz belastet und die Symptome der linksseitigen Herzinsuffizienz verstärken kann. Umgekehrt kann eine linksseitige Herzinsuffizienz zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge führen und die Symptome der COPD verschlimmern.
Symptome kardiopulmonaler Erkrankungen #
Signifikante Symptome bei COPD und Herzinsuffizienz sind:
- Kurzatmigkeit
- Müdigkeit
- Lethargie
- Ohnmacht
- Schmerzen in der Brust bei körperlicher Betätigung
- Schwellungen des Körpers und der unteren Extremitäten
- unregelmässiger Herzschlag
Tipps für ein gesundes kardiopulmonales System #
Viele Faktoren für ein gesundes Herz und eine gesunde Lunge haben Sie selbst in der Hand:
- Das Rauchen aufgeben: Rauchen erhöht das Risiko für zahlreiche Gesundheitsprobleme, insbesondere COPD und Herzinsuffizienz. Programme zur Rauchentwöhnung haben sich bei COPD-Patienten als sehr effektiv erwiesen, um den Verlauf zu verbessern und die Gesamtsterblichkeit zu senken.
- Auch Dampfen ist keine Alternative: E-Zigaretten gelten oft als sichere Alternative zum Rauchen, doch Forschungsergebnisse zeigen in zunehmendem Masse, dass Dampfen bzw. Vaping die Lunge schädigt.
- Regelmässige körperliche Betätigung: Körperliche Aktivitäten und Übungen, die die Herzfrequenz erhöhen und eine tiefere Atmung erfordern, helfen sowohl dem Herz als auch der Lunge, effizient zu arbeiten.
- Atemübungen integrieren: Studien haben gezeigt, dass tiefe Atemübungen die Lunge stärken, die Lungenleistung erhöhen und die Herzfrequenzvariabilität verbessern können.
- Auf Ernährung und Flüssigkeitszufuhr achten: Die American Lung Association empfiehlt eine kohlenhydratarme, fettreichere Ernährung sowie mindestens sechs bis acht Gläser Wasser pro Tag. Eine geringere Natriumzufuhr kann zudem den Blutdruck senken und somit Herz und Lunge entlasten.
- Stress reduzieren: Stress kann zu flacher Atmung, einer erhöhten Herzfrequenz und zur Ausschüttung von Hormonen führen, die sich negativ auf Herz und Lunge auswirken können.
Herz und Lunge sorgen gemeinsam dafür, dass der Körper optimal funktioniert. Ein aktiver Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung können Ihnen dabei helfen, über viele Jahre hinweg gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Die klinischen Referenzen stammen aus diesen Quellen:
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Geschrieben von

Tré LaRosa
Tré LaRosa ist Berater, Wissenschaftler und Autor im Raum Washington, DC, mit umfassender Erfahrung in der Forschung (Grundlagenforschung, translationale und klinische Forschung) und im Bereich der Patient Reported Outcomes (Therapieerfolge). Seine zahlreichen Veröffentlichungen befassen sich mit den Neurowissenschaften, der Pulmologie und den Atemwegserkrankungen, einschliesslich der Patientenperspektive. Er bildet sich ständig weiter, liest und schreibt viel, verbringt gerne Zeit in der Natur und erzählt allen von seinem kleinen Golden Retriever Duncan.










