Weltweites Engagement für die Spirometrie: Interview mit Lindsay Zurba
Im Mittelpunkt steht dieses Mal die langjährige ndd-Nutzerin Lindsay Zurba, die davon erzählt, warum das Easy on-PC Spirometer von ndd fast nicht mehr aus ihrem Workflow wegzudenken ist. Das auf Ultraschalltechnologie gestützte Gerät mit dem robusten Design und der intuitiven Software unterstützt sie seit 15 Jahren bei der Arbeit in den unterschiedlichsten Umgebungen: von Krankenhäusern und Kliniken bis hin zu ländlichen Einsatzorten, wo die zuverlässige und unkomplizierte Durchführbarkeit von Lungenfunktionsprüfungen entscheidend ist. Ihre Erfahrung zeigt, wie die passende Technologie in Kombination mit Schulung und Betreuung qualitativ hochwertige Lungenfunktionsprüfungen überall möglich machen kann, wo sie benötigt werden.

Frau Zurba, können Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass Sie in der Versorgung von Patienten mit Atemwegserkrankungen tätig sind? Was hat Ihre Leidenschaft für die Lungengesundheit geweckt? #
Mein Interesse an der Atemwegsgesundheit war eigentlich Zufall. Ich hatte damals meine Grundausbildung in der Krankenpflege sowie die Weiterbildung in der Intensivpflege abgeschlossen und es ergab sich so, dass ich meine Arbeit in einer Praxis für Lungen- und Atemwegserkrankungen anfing. Jemand hatte die Praxis an den Arzt verkauft und ein Lungenfunktionslabor hinterlassen.
Ich verbrachte etwa zwei Jahren, in denen ich sehr wenig schlief und ass, damit zu lernen, indem ich mir Graphen und Zahlen ansah und versuchte zu verstehen, was wir erreichen wollten. Dadurch entwickelte sich mein Interesse. Später wurde ich dann vom Technikon in Durban eingeladen, Vorträge über Lungenfunktionsprüfungen für Ärzte und Pflegekräfte zu halten, die sich in der arbeitsmedizinischen Weiterbildung befanden. Ich erklärte, dass ich nichts über Lungenfunktionsprüfungen wüsste, worauf man mir aber entgegnete: “Sie machen das jeden Tag. Kommen Sie doch zu uns und erzählen Sie uns, was Sie machen.” Also erzählte ich zwei Stunden lang, was ich jeden Tag so mache. Dabei wurde mir klar, dass ich, obwohl ich das Gefühl hatte, nichts zu wissen, vielleicht doch ein bisschen mehr wusste als die Leute, die vor mir sassen. Damit hat es angefangen.
Sie waren an mehreren Programmen zur Förderung der Atemwegsgesundheit an verschiedenen Orten Afrikas beteiligt und haben Ihr eigenes Programm namens Education for Health Africa aufgebaut. Können Sie uns ein wenig über Ihre Arbeit dort erzählen? #
Es begann mit der Anerkennung, die ich in der Stadt, in der ich lebte, erfuhr, dann kamen mit der Zeit weitere Städte in Südafrika dazu, und schliesslich wurde ich auch aus anderen afrikanischen Ländern kontaktiert. Diese Entwicklung hat sich über die Jahre global fortgesetzt und wir arbeiten mittlerweile mit grossen Organisationen für Atemwegsgesundheit auf der ganzen Welt zusammen, um Lungenfunktionsprüfungen zu fördern und zugehöriges Wissen zu vermitteln. Letztes Jahr habe ich beispielsweise 21 Länder und 30 Orte besucht. Darunter war auch Malawi, wo ich an einem Projekt beteiligt war, bei dem es darum ging, Menschen zu testen, die auf Müllhalden arbeiten. Ich habe ein Team darin geschult, Lungenfunktionsprüfungen durchzuführen, und die Mitglieder haben dann die Arbeiter getestet. Drei Wochen lang haben wir von einem Zelt auf einem Feld in Malawi aus gearbeitet.
Möchten Sie uns etwas über Ihre Beweggründe hinter Ihren Schulungs- und Aufklärungsprogrammen erzählen? #
Was mich antreibt, ist eine angeborene Liebe zu den Menschen und der Wunsch, die Menschen auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg voranzubringen. In diesem Zusammenhang ist die richtige Betreuung von bedeutender Wichtigkeit. Eine der grössten Herausforderungen, die ich sehe, ist, dass die Menschen versuchen, mit Geräten und Software umzugehen, die sie nicht vollständig verstehen. Sie brauchen Unterstützung bei der Konfiguration, beim Arbeitsablauf und dabei, Selbstsicherheit bei der Lungenfunktionsprüfung zu entwickeln. Den Menschen zu helfen, sich einzugewöhnen und selbstsicher zu werden, ist ein sehr wichtiger Teil meiner Aufgabe.
Was macht die Spirometrie zu einem so wichtigen Instrument bei der Diagnose und Behandlung von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen? #
Die Spirometrie ist ein fantastisches Hilfsmittel für die Primär-, Sekundär- und Tertiärversorgung, die Forschung, die Arbeitsmedizin und die häusliche Pflege. Es gibt fast keinen Ort, an dem man sie nicht einsetzen kann. Aber sie muss verantwortungsvoll und mit echtem Sachverstand eingesetzt werden. Und das setzt die Aneignung entsprechender Kenntnisse und Fertigkeiten voraus.
Betrachtet man die Lungengesundheit im Allgemeineren, so geben uns Tests Aufschluss darüber, was tatsächlich im Atmungssystem vor sich geht. Es ist also nicht einfach ausschlaggebend, was der Patient fühlt oder denkt oder was ein Familienmitglied glaubt, dass vorgeht. Vielmehr geben Tests den Ärzten etwas Objektives an die Hand, etwas, das sie Schwarz auf Weiss haben und worauf sie sich bei Behandlungsentscheidungen stützen können. Diese Information ist essentiell.
Sie haben schon mit verschiedenen Spirometrie-Technologien gearbeitet, verwenden aber seit 15 Jahren ein Produkt von ndd. Was macht ein Gerät in der klinischen Praxis wirklich nützlich, und wie hat es Ihre Arbeitsweise verändert? #
Was mir an ndd gefällt, ist zunächst einmal, dass die Geräte mit Ultraschall arbeiten. Das ist die neueste Technologie und sie kommt ohne bewegliche Teile aus, was sie robust macht. Die Geräte sind sehr langlebig, leicht und einfach zu transportieren. Was ich an Geräten von ndd schätze, ist, dass die Software sehr viel leistet, und das macht die Bedienung einfacher und angenehmer.
Ich denke auch, dass sich die Datenverwaltung über die Jahre stark verbessert hat. Es ist viel einfacher geworden, Daten zu exportieren und in Datenverwaltungssysteme zu integrieren, und auch das ist für mich ein grosser Vorteil.
Selbst wenn man in ländlichen Gebieten arbeitet oder bei einem Projekt zwischen verschiedenen Standorten wechselt, ist es immer noch sehr leicht, das Easy on-PC zu transportieren und zu verwenden.
Was ist ein wesentlicher Aspekt, den man als medizinische Fachperson bei der Durchführung einer Spirometrie unbedingt beachten sollte? #
Das Wichtigste, was man im Zusammenhang mit der Spirometrie verinnerlichen sollte, ist für mich, dass man sich auf den Patienten einlässt, ihn ermutigt und bei ihm ist. Spirometrische Tests sind interaktiv: Man kann sich nicht einfach zurücklehnen, es einmal erklären und dann sagen: “Jetzt sind Sie an der Reihe”. Man muss sich engagieren. Das Resultat hängt zur Hälfte von der Interaktion des Bedieners mit dem Patienten ab.
Man muss sehr viel Energie investieren, aber dafür ist die Freude dann umso grösser, wenn man zusammen mit dem Patienten einen ausgezeichneten Test durchführt, den man dann voller Zuversicht interpretieren kann.
Gibt es irgendwelche anstehenden Projekte, die für Sie besonders spannend sind? #
Es gibt immer viele Projekte, mit denen man sich beschäftigt, aber eines der spannendsten ist im Moment die FIRS Lung Health Taskforce: Das Forum of International Respiratory Societies hat eine Arbeitsgruppe für Lungengesundheit zusammengestellt, die sich aktuell in der Frühphase der Ausarbeitung eines Lungengesundheitsindexes, eines Standardverfahrens für die Spirometrie, das an verschiedene Kontexte angepasst werden kann, sowie eines globalen Schulungsrahmens für die Spirometrie befindet und daneben diverse andere Projekte verfolgt.
Gerade stehen wir ganz kurz davor, die ersten Veröffentlichungen zu der dort geleisteten Arbeit herauszubringen, die, wie ich meine, wegweisend bei der Standardisierung der Ausbildung sein wird. Sie wird dazu beitragen, einen Mindeststandard dafür zu definieren, was die Spirometrie-Ausbildung umfassen sollte, und dazu, Schulungsanbietern auf der ganzen Welt eine gemeinsame Plattform zu bieten. Ich denke, das ist eine sehr bedeutende Entwicklung auf dem Gebiet der Atemwegsgesundheit und ein grosser Schritt nach vorn für die Gemeinschaft.
Wenn es eine Botschaft gibt, die Sie medizinischen Fachpersonen in Bezug auf die Lungengesundheit und die Bedeutung von Lungenfunktionsprüfungen mit auf den Weg geben möchten, wie lautet diese? #
Objektive Informationen sind unerlässlich. Sie geben Ärzten eine klare und verlässliche Grundlage für ihre Arbeit und helfen ihnen dabei zu entscheiden, ob und wie eine Behandlung erfolgen soll. Informationen dieser Art sind unglaublich wertvoll.
Ausserdem ist die Spirometrie ein echter Segen. Dieses Verfahren ist derart robust und nützlich. Deswegen sollte medizinisches Fachpersonal gerne darauf zurückgreifen. Spirometrie kann in der täglichen Praxis, in der Forschung und in der Patientenversorgung einen echten Mehrwert bieten, wenn sie korrekt eingesetzt wird.
Gibt es Momente, die einen besonderen Eindruck bei Ihnen hinterlassen haben? #
In Ruanda fuhr ich mit dem Motorrad auf einer unbefestigten Strasse zu einer kleinen Hütte in einer sehr ländlichen Gegend zur Arbeit. Dabei hatte ich eine Spritze unter dem einen Arm und die Ausrüstung unter dem anderen.
Es gab auch einen Ort, wo ich auf dem Gepäckträger eines Fahrrads sitzend zur Arbeit gefahren bin. Bei Malawi erinnere mich daran, wie ich in einer kleinen Stadt ausserhalb von Blantyre mit einer Ziege vor dem Fenster aufwachte und Kühe in der Nähe standen, die einen kauend anstarrten. Es gibt einfach so viele solcher eindrücklichen Momente.
Über Lindsay Zurba: #
Lindsay Zurba
Eigentümerin und geschäftsführendes Mitglied von Education for Health Africa und der Lung Wellness Clinic
Lindsay Zurba ist auf Atemwegserkrankungen spezialisierte Pflegefachperson und Dozentin mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Versorgung von Patienten mit Atemwegserkrankungen und engagiert sich weltweit für die Lungengesundheit. Sie ist weithin anerkannt für ihre Arbeit in den Bereichen Lungenfunktionsprüfungen, Spirometrie-Schulungen und Aufklärung zu Atemwegserkrankungen, die sie weltweit in unterschiedlichen Gesundheitsversorgungssettings leistet.
Als Gründerin von Education for Health Africa und Leiterin der Lung Wellness Clinic setzt sich Lindsay für besseren Zugang zu qualitativ hochwertiger Lungenfunktionsprüfung und Versorgung bei Atemwegserkrankungen ein. Mit Schulungen und Betreuung verhilft sie medizinischen Fachkräften auf der ganzen Welt dazu, die notwendigen Fertigkeiten zu entwickeln, um genaue spirometrische Ergebnisse zu erzielen und Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD besser zu behandeln.
Zu ihren Tätigkeitsbereichen gehören die klinische Versorgung, die Aus- und Weiterbildung sowie weltweite Forschungsinitiativen. Über ihre Zusammenarbeit mit führenden Atemwegsorganisationen wie der Pan African Thoracic Society (PATS), der International Primary Care Respiratory Group (IPCRG), der European Respiratory Society (ERS) und der Lung Health Taskforce des Forum of International Respiratory Societies (FIRS) leistet Zurba einen Beitrag zu internationalen Bemühungen darum, weltweit die Diagnostik und Ausbildung in der Lungen- und Atemwegsmedizin zu verbessern.
Ein Beispiel für Zurbas Arbeit mit dem Easy on-PC finden Sie hier im Fachjournal «The Lancet Child & Adolescent Health» (in englischer Sprache): Asthma symptoms, severity, and control with and without a clinical diagnosis of asthma in early adolescence in sub-Saharan Africa: a multi-country, school-based, cross-sectional study
Oyenuga VO, Ndimande N, Amaral AFS, Mosler G, Addo E, Owusu SK, et al. Asthma symptoms, severity, and control with and without a clinical diagnosis of asthma in early adolescence in sub-Saharan Africa: a multi-country, school-based, cross-sectional study. Lancet Child Adolesc Health. 2024;8(12):859-871. doi:10.1016/S2352-4642(24)00232-3.







