2019 ATS/ERS Spirometrie-Release
19. September 2023· 5 Minuten Lesezeit

Anstrengungsasthma muss Ihre Lebensqualität nicht beeinträchtigen

managing exercise induced asthma
Anstrengungsasthma: Hier erfahren Sie, wie Sie diese häufige Erkrankung erkennen, diagnostizieren und vermeiden können

Der Sommer ist vorbei, die Schule beginnt wieder, und viele Kinder werden in der Schule Sport treiben oder an Wettkämpfen teilnehmen. Manche Kinder erleben dabei zum ersten (und hoffentlich letzten!) Mal die Beschwerden des Anstrengungsasthmas (Exercise-Induced Asthma, EIA). Die medizinisch als Anstrengungsbronchokonstriktion (EIB) bezeichnete Symptomatik tritt auf, wenn jemand direkt nach körperlicher Anstrengung Atemwegsbeschwerden verspürt. Obwohl der umgangssprachliche Begriff - Anstrengungsasthma - dieses Phänomen als „Asthma“ bezeichnet, gilt EIB nicht als klinisches Asthma im eigentlichen Sinne. Asthma, von dem weltweit Hunderte Millionen Menschen betroffen sind,* ist eine chronische Erkrankung, die zu Atembeschwerden und eingeschränkter Lungenfunktion führt. EIB hingegen ist das akute Auftreten asthmaähnlicher Symptome, die durch körperliche Anstrengung und normalerweise durch Umweltbedingungen ausgelöst werden. Während bei etwa 40–90 % der Menschen, die an EIB leiden, die klinische Diagnose Asthma vorliegt, leidet nicht jeder an EIB Erkrankte an Asthma; umgekehrt kommt es nicht bei jedem Asthmatiker zu einer anstrengungsinduzierten Bronchokonstriktion.*

Anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion: Symptome und Wirkmechanismus

Ausgelöst durch körperliche Anstrengung und einhergehend mit Atembeschwerden wie Atemnot, Engegefühl in der Brust, Keuchen und Husten ist eine anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion unangenehm, vor allem für Kinder, die sie zum ersten Mal erleben; glücklicherweise ist sie meist vorübergehend und reversibel.* Die EIB wird nicht zwangsläufig direkt durch körperliche Anstrengung verursacht, sondern durch das, was während der Anstrengung in unseren Atemwegen abläuft. Bei körperlicher Betätigung kommt es zu Wasserverlusten und Temperaturschwankungen in den Atemwegen, was unser Atemsystem dazu zwingt, sich zu erwärmen und der Luft in der Lunge Feuchtigkeit hinzuzufügen, was zu der bei Menschen mit EIB beobachteten erhöhten Atemfrequenz führt.* Dies wiederum führt zu einer Zellschrumpfung sowie zu einer langen Kaskade von Effekten, die sich letztlich in einer Verengung der Atemwege (Bronchokonstriktion) und Unwohlsein unmittelbar nach der körperlichen Anstrengung äussert.* Da Wasserverlust und erhöhte Atmung eine wichtige Rolle im pathophysiologischen Mechanismus der EIB spielen, können Umweltfaktoren wie Lufttemperatur, Luftverschmutzung und Luftfeuchtigkeit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer EIB zu erkranken.* Laut der Clinical Practice Guideline on Exercise-Induced Bronchoconstriction der American Thoracic Society hält die EIB ohne Behandlung gewöhnlich zwischen 30 und 90 Minuten an.*

Anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion: Diagnose und Behandlung

Auch wenn die Symptome durchaus nicht bei allen Menschen gleich sind, sind doch bei Kindern, die sich körperlich betätigen, einige wichtige Aspekte zu beachten: Möglicherweise schnappen Kinder bei körperlicher Betätigung etwas nach Luft oder ermüden schneller, oder sie husten, wenn sie nach der Bewegung im Freien ins Haus kommen. Eltern, Lehrer und Trainer sollten auf diese Symptome achten. Bei Kindern mit bereits bestehender Diagnose EIB sollte ein verantwortlicher Erwachsener dafür sorgen, dass das Kind vor dem Sport oder beim Auftreten von Symptomen den vorgegebenen Gesundheitsplan einhält. Bei Kindern ohne diese gesicherte Diagnose sind die Symptome der EIB zwar oft deutlich ausgeprägt, doch sind die Symptome allein nach dem Sport nicht empfindlich oder spezifisch genug, um die Diagnose einer EIB zu stellen.

Für die Diagnosesicherung ist die Spirometrie unerlässlich: Für eine EIB-Diagnose ist ein so genannter „Belastungstest“ erforderlich, bei der der Patient vor Durchführung der Spirometrie in der Klinik oder Praxis sich körperlich stark anstrengt.* Diese Untersuchung dient sowohl der Diagnose der EIB als auch der Einstufung des Schweregrads,* falls bei der Untersuchung eine EIB diagnostiziert wurde. Um eine Diagnose zu stellen, muss das forcierte Ausatemvolumen in der ersten Sekunde (FEV1), einer der am häufigsten ausgewerteten Spirometrie-Parameter, mindestens zweimal in unterschiedlichen zeitlichen Abständen (5, 10, 15 und 30 Minuten) nach der körperlichen Anstrengung gemessen und verringert werden.* Die EIB wird je nach dem Ausmass des FEV1-Rückgangs gegenüber dem Ausgangswert vor der Belastung als leicht-, mittel- oder schwergradig eingestuft.*

Unabhängig vom Schweregrad kann die Erstdiagnose vor allem für Kinder und ihre Eltern schwierig und beängstigend sein. Mit der Diagnose kommt jedoch auch die Hoffnung auf eine Behandlung, die hoffentlich die meisten EIB-Symptome lindern wird. Glücklicherweise gibt es im Falle der EIB sowohl pharmakologische als auch nicht-pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten. Einer der wirksamsten pharmakologischen Ansätze sind kurz wirksame Bronchodilatatoren wie Albuterol, die wenige Minuten vor der körperlichen Belastung verabreicht werden und meist 2 bis 4 Stunden lang eine EIB verhindern.* Etwa 15–20 % der Betroffenen sprechen jedoch nicht auf kurz wirksame Bronchodilatatoren an.* Für Betroffene, die nicht auf kurzwirksame Bronchodilatatoren ansprechen, und auch für diejenigen, die täglich kurzwirksame Bronchodilatatoren einnehmen, empfiehlt die American Thoracic Society nachdrücklich den Einsatz von inhalativen Kortikosteroiden (ICS), bei denen es 2 bis 4 Wochen dauern kann, bis sie ihre Wirksamkeit zeigen. Es kann frustrierend sein, einige Wochen lang Medikamente einzunehmen, bevor man weiss, ob sie überhaupt wirken. Zur Vermeidung zusätzlicher Frustrationen, die mit der Optimierung eines Behandlungsplans einhergehen, kann die Wahrscheinlichkeit, dass eine Behandlung wirksam sein wird, sehr hilfreich sein. In einer Studie wurde versucht, die Frage zu beantworten, ob eine einzige ICS-Dosis ausreicht, um die langfristige Wirksamkeit dieses Therapieansatzes bei Kindern mit EIB vorherzusagen, was der Fall war.*

Anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion: Tipps für die Prävention

Während pharmakologische Ansätze wie kurzwirksame Bronchodilatatoren und inhalative Kortikosteroide das Auftreten der EIB wirksam verhindern können, empfiehlt die American Thoracic Society auch mehrere nicht-pharmakologische Ansätze zur Prävention. Ein Ansatz besteht darin, eine „Refraktärphase“ von 2 bis 4 Stunden einzuleiten, indem man vor dem geplanten Training oder Wettkampf sich 10 bis 15 Minuten lang mässig stark aufwärmt.* Da dies möglicherweise nicht für alle wirksam ist, wurden verschiedene Formen des Aufwärmens untersucht, wobei sich herausstellte, dass Aufwärmübungen mit hoher Intensität und variabler Intensität vor der körperlichen Belastung die EIB am wirksamsten und konsequentesten mildern.*

Aufgrund des Einflusses von Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Schadstoffen auf die Auslösung der EIB empfiehlt die ATS ausserdem das Tragen einer Gesichtsbedeckung für jene, die anfälliger für eine durch kaltes Wetter ausgelöste EIB sind, auch wenn dies im Vergleich zu den meisten anderen Empfehlungen nur eine schwache Empfehlung ist, da deren Evidenz von geringerer Qualität ist.*

Fazit

Eine durch körperliche Anstrengung ausgelöste Bronchokonstriktion kann die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken, wenn sie nicht behandelt oder gut eingestellt wird. Letztendlich gibt es jedoch sowohl für Kinder als auch für Erwachsene viele hochwirksame Ansätze - pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Art - zur Vorbeugung und Behandlung der EIB. An erster Stelle steht eine genaue Diagnose, die es dem behandelnden Arzt ermöglicht, in enger Zusammenarbeit mit dem Patienten einen optimalen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln. Am vielversprechendsten ist die Erkenntnis, dass eine gut eingestellte EIB selbst Spitzensportler nicht einschränkt.* Körperliche Anstrengung ist eine grossartige Sache für alle, insbesondere für Kinder, und sollte gefördert werden, doch bei Kindern mit Atemwegssymptomatik sollte die EIB gut eingestellt sein.

Tré LaRosa
Tré LaRosa

Tré LaRosa ist Berater, Wissenschaftler und Autor im Raum Washington, DC, mit umfassender Erfahrung in der Forschung (Grundlagenforschung, translationale und klinische Forschung) und im Bereich der Patient Reported Outcomes (Therapieerfolge). Seine zahlreichen Veröffentlichungen befassen sich mit den Neurowissenschaften, der Pulmologie und den Atemwegserkrankungen, einschliesslich der Patientenperspektive. Er bildet sich ständig weiter, liest und schreibt viel, verbringt gerne Zeit in der Natur und erzählt allen von seinem kleinen Golden Retriever Duncan. 

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